Es war ein bewegender Moment, als am 5. Mai 2023 die ersten Schottischen Hochlandrinder den Viehanhänger erst zögernd, dann plötzlich verlassen und auf den Offenlandteil des neuen Waldweideareals traben. Fast 30 Jahre schon existierte der Gedanke an ein Waldweideprojekt im Hasbruch. Nun hat es die Naturschutzstiftung des Landkreises Oldenburg in Kooperation mit den Niedersächsischen Landesforsten und der Umweltstiftung Weser-Ems umgesetzt.

 

Der Hasbruch ist ein alter Hutewald. Jahrhunderte haben Menschen dort ihr Vieh geweidet. Schafe, Ziegen, Rinder, Schweine und Gänse. Diese Nutzung hat dem Wald ein besonderes Gesicht gegeben. Großkronige, knorrige Eichen und Hainbuchen, die wegen der regelmäßigen Beschneidung wie Armleuchter aussehen. Der Wald war eher licht, die Bäume standen weiter auseinander. In diesen lichten Wäldern, in dem das Vieh alles Grün fraß, an das es herankam und mit seinem Dung düngte, herrschte eine hohe Artenvielfalt.

 

Mit dem Waldweideprojekt wollen wieder die lichten Eichenwaldstrukturen von damals entstehen. Diesen Wald muss man sich mosaikartig vorstellen mit dichteren Waldpartien, lockerem Baum- und Strauchbestand und Wiesenflächen. Auf der Projektfläche im Süden des Hasbruch soll wieder eine typische Hute- und Triftlandschaft entstehen.

Drei Kilometer Elektrozaun, eine unter Spannung stehende Barriere, begrenzen das Hutewaldareal. Ein Waldweg führt durch die Projektfläche. Er ist mit selbstschließenden Pforten ausgestattet. Wegebreite Roste verhindern, dass die Rinder  das Areal verlassen, aber die Waldbesuchenden die Waldweideflächen ganz nah erleben können.


Regelmäßige Kartierungen der Vegetation begleiten das Projekt. Es soll herausgefunden werden, ob durch die Waldbeweidung tatsächlich die Artenvielfalt langfristig steigt. Es werden mit der Zeit eine Fülle von licht- und wärmeliebenden Waldrand- und Saumarten wie zum Beispiel Knabenkräuter, Sumpf-Hornklee und Kuckuckslichtnelke erwartet.


Nach über 140 Jahren laufen wieder Nutztiere unter den hohen Eichen des Hasbruch. Mit Tritt und Biss werden sie den Wald gestalten. Und so, hoffentlich, ein Landschaftsbild vergangener Zeiten schaffen, das durch seinen Arten- und Strukturreichtum auch heute einen großen Beitrag zum Naturschutz leistet.


Weitere Informationen zu den Schottischen Hochlandrindern unter www.hof-vielstedt.de.

Hasbruchtag am 23.08.2026

Ein Tag für Familien und Naturfreunde im urwaldähnlichen Eichenhain – mit Mitmachstationen, Walderlebnissen und einem bunten Infoprogramm rund um Waldschutz, Artenvielfalt und Naturschutz.