Alte Eichen

 

 

Mehr als 1000 Jahre haben die alten Eichen im Hasbruch das Waldbild mit gestaltet und wurden von der Bevölkerung als eine selbstverständliche Eigenart dieses Waldes betrachtet. Im 19. Jahrhundert waren es diese Eichen, die den Hasbruch weit über die Grenzen des Oldenburger Landes hinaus bekannt gemacht haben.

Entdeckung der Eichen

Die ersten bekannten Bilder stammen von den Hofmalern des Großherzogs von Oldenburg Ludwig Phillip Strack und Ernst Willers.

Letzterer wurde 1803 in Oldenburg geboren und war nach einem längeren Aufenthalt in Rom ab 1863 in München ansässig. 1835 eröffnet er die Wallfahrten der Landschaftsmaler zu den alten Eichen im Hasbruch.

GeorgMarienEicheJohann Georg Kohl beschreibt 1864 in seinen Nordwestdeutschen Skizzen, Willers habe einige schöne Hasbrucheichen in würdiger und ansprechender Weise porträtiert. Willers habe diese Bilder in München ausgestellt, wo sie der bayrische König Ludwig angesehen hätte.
Dieser bemerkte, „die Bilder sind effektvoll und gut gemalt, aber Ihre Bäume sind nicht naturgetreu. Es gibt weder solche phantastisch gebildete noch so mächtige Eichen in Deutschland“. Willers versicherte dagegen, seine Bilder würden der Wirklichkeit entsprechen. Der bayrische König sandte daraufhin seinen eigenen Hofmaler in den Hasbruch. Dieser brachte ihm dann die Bestätigung für die tatsächlich im Hasbruch vorhandenen ästhetischen Schätze.



Kohl selbst beschreibt: „Die großen Eichen sind in dem ganzen Walde verstreut. Viele stehen noch recht mitten im Dickicht und werden kaum von Fremden aufgesucht. Erst weinige sind durch Wegräumung des Waldschutts umher bequem zugänglich gemacht. Einige Stehen mitten auf breiten Waldwegen, wo man sie aussparte, und wo sie dann herrliche points de vue der Waldalleen abgeben. Bei andern hat man ringsumher eine offene Wiese geschaffen, diese dann mit einem Erdwall oder mit einem „Hag“ und Pförtlein versehen, und auf de Wiese für den Bewunderer der Natur Bänke errichtet. Die alten Heiden mögen es mit ihren heiligen Gotteseichen ähnlich gemacht haben. Wir neumodigen Freunde der Naturschönheiten bringen den Dryaden wieder einen Kultus in unserer Weise dar, und arrangieren um sie herum geweihte Plätze.

Seit dieser Zeit wurde der Hasbruch in ganz Deutschland berühmt. Mehrere Künstler, unter ihnen auch Preller aus Weimar wanderten in den Hasbruch. Sie wohnten in den Dörfern am Rande des Waldes. Bilder aus dem Hasbruch dürften in dieser Zeit vielfach entstanden sein und zu seiner Berühmtheit beigetragen haben.

Kohl berichtet 1864 über eine eigene Wanderung mit einem heimischen Führer in den Hasbruch: „Zunächst brachte er uns zu einer ganzen Gruppe alter Bäume, die noch recht im Dickicht steckten, und die durch Mannigfaltigkeit ihres Zweigwerks und ihrer Gestaltung sehr merkwürdig waren. Sie gehörten alle zu der ersten Klasse der Bäume, zu den Zehnfüßigen, d.h. zu denen, die etwas mehr oder weniger zehn Fuß im Durchmesser haben (1 Fuß = 0,295879 m). Solche zehnfüßigen Eichen soll es im Haßbrook jetzt (Anm.: 1864) noch etwa 100 oder etwas darüber geben.

Übrigens sind jetzt die ältesten Eichen des Haßbrook fast alle hohl, und dies ist es auch, was ihren Fortbestand am gründlichsten sichert. Außer für den Naturfreund haben sie glücklicherweise für niemand mehr Wert. Die Winde und Stürme sind jetzt ihre schlimmsten Feinde, und daher glaube ich auch, dass die, welche man jetzt – allerdings in guter Absicht – und aus ästhetischen Rücksichten aus dem Walddickicht herausgearbeitet, und denen man freie Plätze, wo die Winde tapfer einfassen können, verschafft hat, zuerst fallen werden.“ Kohls Führer durch den Hasbruch war der damalige Oberförster Ch. C. Erdmann.

Altersschätzung

 

Das Alter der alten Eichen im Hasbruch lässt sich nicht genau bestimmen sondern nur schätzen. Dabei wird davon ausgegangen, dass die durchschnittliche Jahrringbreite bei Eichen im Alter von 160 bis 200 Jahre ca. 2 mm beträgt. Dieser Zuwachs nimmt allerdings auch mit dem Alter der Eichen ab, so dass man bei den alten Hasbrucheichen von einem durchschnittlichen Wachstum von etwas mehr als 1 mm ausgeht. Legt man der Berechnung ein Wachstum von 1,2 mm jährlich zugrunde, ergibt dies einen einseitigen Zuwachs von ca. 1 cm in 8 Jahren. Eine Eiche mit einem Durchmesser von 3 m hat einen Halbdurchmesser von 150 cm. Entsprechend lässt sich ein Alter von ca. 1200 Jahren annehmen.

Diese Berechnung wird unterstützt durch Beobachtungen des Försters Ch. Erdmann, der die Zählung der Jahresringe damals gefällter alten Eiche veranlasst hat. Er schreibt:
„Das Alter dieser Eichen nach Zählung und Berechnung der Jahresringe bei mehreren starken Eichen die gefällt waren, hat sich zwischen 1000 und 1100 Jahre herausgestellt, obgleich zugleich anzunehmen sein dürfte, dass mehrere der angeführten Eichen das Alter von 1100 Jahre noch überschreiten.
Hasbruch den 18 ten Febr. 1858
Ch. Erdmann“.

Das im 19. Jahrhundert angelegte Wegesystem im Hasbruch wurde zum Teil auf die Standorte der alten Baumriesen ausgerichtet, so dass sie in der Mitte der Wege standen. Die Bäume konnten beidseitig umfahren werden. Daher wurden auch die Wegeseitengräben im Kreis um die Bäume verlegt. Stellenweise verraten uns noch heute diese Aufweitungen der Wege mit den entsprechenden Seitengräben den ehemaligen Standort der alten Eichen.

Namensgebung für die Eichen

Auch Mitglieder der großherzoglichen Familie besuchten im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts den Hasbruch gemeinsam mit ihren Gästen, um die großen Eichen zu bewundern. Zu diesen Gästen zählte unter anderen auch der mit dem Großherzog befreundete Erzherzog Stephan von Österreich.

Bereits aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dürften die ersten Namensgebungen für die alten Eichen stammen. In dieser Zeit dürften die Amalien-Eiche und Friederiken-Eiche ihre Namen bekommen haben, die beide nach den Töchtern des Großherzogs Paul Friedrich August (1785 – 1853) benannt wurden.

HindenburgeicheAmalie, (1818-1875) heiratete 1836 König Otto von Griechenland. Friederike (1820-1891) heiratete 1855 und lebte fortan mit ihrem Ehemann Maximilian Freiherr von Washington in der Steiermark. Bereits Johann Georg Kohl erwähnt 1864 die nach der späteren Königin von Griechenland benannten Amalieneiche und die „Friederiken-Eiche.

Die Charlotten-Eiche wurde später nach einer 1879 geborenen Tochter des Hauses Oldenburg, Sophie Charlotte (Tochter von Großherzog Friedrich August) benannt.

Die herausragendste Eiche trug auch im Volksmund bereits die Bezeichnung Dicke Eiche. Eine weitere Eiche auf einem Wegekreuz wurde nach ihrem Standort Kreuzeiche benannt.

Später wurden weitere Eichen nach herausragenden Persönlichkeiten des Deutschen Reichs benannt (Bismarck-Eiche, Roon-Eiche, Moltke-Eiche, Hindenburg-Eiche)

Auch besonders verdienten Förstern des Hasbruch wurden Eichen gewidmet (Erdmann-Eiche, Orth-Eiche)

Die Fischbeck-Eiche, die Elise-Fink-Eiche und die Ahlers-Eiche wurden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nach Künstlern benannt, die mit dem Hasbruch eng verbunden waren.

Eine andere Eiche erhielt in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts die Bezeichnung Grenzeiche, weil man feststellte, dass sie auf der Grenze zwischen den angrenzenden Flächen und dem Hasbruch steht.

Karl Ehlers hebt 1926 in seinem Buch über den Hasbruch bereits die Bedeutung der Hasbrucheichen hervor: „Vom biologischen Standpunkt sind die Hasbrucheichen Naturdenkmäler allerersten Ranges, möglicherweise die bedeutendsten ihrer Art in ganz Deutschland.“

Die alten knorrigen Eichen haben den Hasbruch weit über die Grenzen des Oldenburg Landes in ganz Deutschland und darüber hinaus auch in Europa berühmt gemacht. Für die Schulkinder der Dörfer auch im weiteren Umkreis gehörte ein Ausflug in den Hasbruch dazu. Nach der Errichtung der Eisenbahnstrecke zwischen Oldenburg und Bremen im Jahre 1867 erreichten viele Besucher aus den benachbarten Städten den Hasbruch über die nahe gelegenen Bahnhöfe in Grüppenbühren, Hude und Ganderkesee.

Nur noch wenige von Ihnen tragen heute noch grünes Laub. Dennoch sind sie das Ziel vieler Besucher im Hasbruch, zu denen auch heute noch Leute aus verschiedenen europäischen Ländern zählen. Insbesondere sind hier Besucher aus den benachbarten Niederlanden aber auch aus England zu zählen.

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