Europäische Bedeutung des Hasbruch

Historisch alter Wald

Der Hasbruch gehört zu den 8 größten „historisch alten Wäldern“ des nordeuropäischen Flachlandes. Die Flächen historisch alter Wälder sind schon seit mehreren hundert, wenn nicht sogar tausend Jahren mit Wald bestockt. Dagegen ist ein Großteil der heutigen Wälder erst in den letzten zwei Jahrhunderten durch die Aufforstung von ehemaligen Ödland- oder Heideflächen entstanden. Unter den im nordeuropäischen Flachland noch vorhandenen historisch alten Waldstandorten gehört der Hasbruch zu den 8 größten. Er ist mit rund 630 ha der größte historisch alte Wald des niedersächsischen Flachlandes – der Anteil solchen Waldes in Niedersachsen beträgt hier weniger als 0,1%. Urwald

Diesen historisch alten Wäldern kommt eine besondere Bedeutung für die Artenvielfalt zu. Für England wurde nachgewiesen, dass in naturfernen Wäldern die geringste Artenvielfalt vorhanden ist. Schon Wälder mit einem Anschluss an historisch alte Wälder sind demgegenüber artenreicher. Die größte Artenvielfalt weisen aber die historisch alten Wälder auf. In vielen Fällen lassen sich Arten finden, die sehr stark an historisch alte Wälder gebunden sind und nur hier oder in ihrer engeren Umgebung vorkommen. Dies ist auch beim Hasbruch der Fall.

Europäische Bedeutung

In der europäischen Umwelt-Datenbank "CORINE"(=Coordination de information du i'environement) der Europäischen Union wurde dem Hasbruch und der ihn umgebenen Landschaft bereits 1991 eine Bedeutung als Gebiet mit besonderer Bedeutung für das gemeinschaftliche Naturerbe zugewiesen. Aufgrund des hohen Flächenanteils naturnaher Waldgesellschaften und Vorkommen von Arten des Anhang II zur Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) wurde der Hasbruch 1996 Urwaldvom Land Niedersachsen als NATURA 2000 Gebiet über den Bund nach Brüssel gemeldet und 1997 von der Bezirksregierung Weser-Ems mit seiner gesamten Fläche als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Der Hasbruch erreicht auch wegen der hier vorhandenen naturnahen Waldgesellschaften - 70 % der Waldfläche bestehen aus Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald, Hainsimsen-Buchenwald oder entlang der Fließgewässer Erlen-Eschenbeständen – europaweite Bedeutung. Weitere hier vorhandene Lebensraumtypen bundes- und teilweise auch europaweiter Bedeutung sind die naturnahen Fließgewässerabschnitte und Sicker-Quellen.

 

Totholzanteil

Der große Anteil an totem Holz spielt eine besondere Rolle für das Artenspektrum im Hasbruch. Es gibt hier viele Arten, insbesondere Käferarten, die auf Totholz angewiesen sind. Dieses Totholz finden sie in den vielen abgestorbenen Bäumen, in großen, abgestorbenen Ästen noch lebender Bäume oder in den vielen vorhandenen Baumhöhlen. Um die Lebensräume dieser totholzbewohnenden Arten zu erhalten, wurde ein Großteil dieser Bäume kartiert. Sie sind Bestandteil eines für den gesamten Hasbruch aufgestellten Habitatbaumkonzeptes, in dem mehr als 1.000 Bäume erfasst und kartiert und von einer weiteren Nutzung ausgenommen wurden.

Hasbruch-Landschaft

Auch im Umfeld des Hasbruch sind die Wallhecken und Knick-Landschaften, die Veteranen-Bäume sowie unterschiedliche Grünlandbiotope ebenfalls schützenswert. Auch sie sind überwiegend Relikte der historisch alten, halboffenen Hute- und Weide-Landschaft. Mit totholzreichen Solitärbäumen oder starken, totholzreichen Schneitelstöcken sind sie noch heute wichtige Biotope für viele Tier und Pflanzenarten, die eine starke Bindung an den historisch alten Wald Hasbruch haben und daher in der weiteren Umgebung nicht mehr anzutreffen sind.

Im Hasbruch und seinem Umland wurden für den Naturschutz nicht nur auf regionaler sondern auch auf Bundesebene wertvolle Arten nachgewiesen. Zu diesen Arten zählen z.B. Mittelspecht, Schwarzspecht, Neuntöter, Wespenbussard, Eisvogel, Eremit oder Juchtenkäfer, Fontainebleau-Schnellkäfer; Kammmolch, Mausohr, Fransenfledermaus, Große Bartfledermaus.

Einige dieser Arten nutzen den Wald als Brutbiotop. Die den Wald umgebene Landschaft dient ihnen als Nahrungsbiotop. Einige Fledermausarten, haben ihre Wochenstuben im Waldvorland und durchfliegen den Wald um in weiter entfernt liegenden Gebieten zu jagen. So bestehen viele Wechselbeziehungen zwischen den Biotopen rund um den Hasbruch und dem Waldgebiet selbst. Viele im Hasbruch vorkommende Arten sind auf Biotope außerhalb des Hasbruchs angewiesen und umgekehrt.

Naturwaldforschung

In Teilbereichen des Hasbruchs werden offiziell seit 1889, tatsächlich aber schon länger keine forstwirtschaftlichen Eingriffe mehr vorgenommen. Diese Flächen wurden bereits 1889 zu einer so genannten Ausschlussholzung erklärt und sind heute Teil des im Kernbereich des Hasbruchs befindlichen Naturwaldes. Sie zählen zu den wenigen Waldflächen nicht nur des norddeutschen Flachlandes, sondern auch Europas, die seit mehr als 150 Jahren unbewirtschaftet geblieben sind. Hier im Naturwald sind noch deutliche Anzeichen der bis 1882 im gesamten Hasbruch und der ihn umgebenen Landschaft üblichen Hutewaldnutzung zuerkennen. Der Hasbruch und seine ihn umgebende Landschaft sind daher auch für die Naturwald- und die Naturschutzforschung von ganz besonderer Bedeutung.

Unter diesen Gesichtspunkten ist das Gebiet des Hasbruchs mit anderen europäischen Naturwäldern vergleichbar, die auch aus überwiegend ehemaligen Hutewäldern entstanden sind. Dazu zählen der Wald von Fontainebleau in Frankreich, Teile des New Forest in Großbritannien oder auch Bialowiezca in Polen. Seit Ende der 1970iger Jahre forschen niederländische Wissenschaftler in den Naturwaldflächen des Hasbruch. Die Methoden und Ergebnisse werden mit der zuständigen Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt abgestimmt bzw. ausgetauscht.

 

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